Sonntag, 9. März 2014

Später


Schattenschwaden wuchern vor meinen Augen, umarmen die sterbenden Strahlen der Morgensonne. Ich liege im Gras, meine Fußsohlen an einen Baumstamm geschmiegt. Die Gänseblümchen um mich herum lassen ihre Köpfe hängen, als wollten sie den Staub der Erde kosten.
Ich richte mich auf und sauge die flirrende Hitze in meine Lungen. Meine Haut brennt von dem Feuer, das unausweichlich auf mich zukommt.
Später, denke ich und lache grell, so künstlich, wie die Häuser, die der Mensch immer höher in den Himmel schiebt.
Der Ast nach dem ich greife bricht, und Splitter verzieren den Ausblick auf die Flammen, die sich zappelnd neue Nahrung suchen. Ich gehe einen Schritt auf sie zu. Sie kennen keine Angst. Ihr Feind ist das Wasser. Nicht ich.
Rinde bleibt an meinen Fingern kleben, als ich ihnen das Holz zum Fraß vorwerfe. Sie stürzen sich darauf wie Hyänen auf Aas, verbeißen sich. Ich wende mich ab. Über mir rascheln die letzten Blätter. Hektisch. Gefangen. Sie erkennen die Bedrohung, das Unausweichliche. Vor dem Tod gibt es kein entfliehen. Nicht für sie. Nicht für mich. Für niemanden.
Später, denke ich und eine Träne taumelt meine Wange hinab, verdampft auf halbem Weg – ein nacktes Kind auf Vulkangestein. Verloren, bevor es dieses Leben versteht.
Nordwind umgarnt mich, fordert mich auf zum Tanz. Ich reiche ihm die Hand, er wirbelt mich herum, trägt mich hoch, trägt mich weit. Er schickt mich fort, an einen Ort, wo die Atmosphäre nicht so dornig, das Diesseits nicht so trüb, Wege minder zerklüftet, das Universum weniger erregt – doch die Zukunft genauso verloren.
Später, denke ich, werfe meinen Kopf in den Nacken und suche Erlösung in einer Welt, die in Trümmern liegt. 

 

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