Montag, 13. Mai 2013

Von Autor zu Autor: Von der Idee zur Geschichte


In meiner Reihe über Kreativitätstechniken habe ich euch ein paar Methoden vorgestellt, wie ihr leicht an Ideen kommt, sofern sie euch nicht von allein überfallen. 

In diesem Artikel geht es nun darum, wie ihr von einer Idee zu einer möglichen Geschichte kommt. Denn oft ist es so, dass man nicht so richtig weiß, wie man die jeweilige Idee umsetzen könnte. 
Ich will euch hier nicht erklären, wie ihr eine Geschichte schreiben sollt, sondern zeigen, wie ihr eine solide Basis findet, mit der ihr dann weiter arbeiten könnt. 


Um eine Basis für eine Geschichte zu finden, können euch ein paar einfache Fragen helfen. Diese Fragen findet ihr weiter unten im Text.
In welcher Reihenfolge ihr sie beantwortet, ist eigentlich egal. Geht sie erst einmal durch und schaut, was ihr am leichtesten beantworten könnt. Und danach knöpft ihr euch den Rest vor. Denkt dabei daran, dass ihr später immer noch Änderungen vornehmen könnt. Nichts wird in Stein gemeißelt. 
Ihr müsst auch nicht unbedingt alles beantworten. Vielleicht reicht eine Frage schon aus, um den nötigen Anstoß zu bekommen und alles andere fügt sich dann automatisch ein.
Letztendlich kommt es auch auf eure Ausgangsidee an. Pickt euch also das raus, was ihr braucht.

Bevor es los geht noch ein Tipp von mir: Schreibt immer alles auf, was euch durch den Kopf geht. Wenn ihr alles nur im Geiste durchspielt, und durch eine Kette von Gedanken am Ende auf eine mögliche Lösung stoßt, kann es passieren, dass ihr nicht mehr rekonstruieren könnt, wie ihr dorthin gelangt seid. 
Ich arbeite immer mit A3-Papier, damit ich mich schön ausbreiten kann. Dadurch gebe ich meinen Gedanken die Möglichkeit, sich frei zu entfalten. Wenn ich viel Platz habe, fühle ich mich auch automatisch frei, alle Gedanken/Ideen aufzuschreiben und nicht vorher zu zensieren. Und das ist enorm wichtig.
Sammelt erst einmal alles und wägt hinterher in Ruhe ab. Mir hilft dabei immer eine Pro- und Kontra-Liste. Kombiniert vielleicht auch mal ein paar Dinge miteinander und schaut, was sich so ergibt.

Nun aber genug mit der Vorrede, hier die Fragen:

Was will ich erzählen?

Wenn ihr das wisst, habt ihr schon einen erste grobe Richtung, der ihr folgen könnt.

Geht einfach mal in euch, immer mit eurer Ausgangsidee im Kopf und überlegt, was euch interessieren würde oder was euch reizen würde, zu erzählen. Was würde zu der Idee passen?

Als kleine Starthilfe gebe ich euch mal ein paar Satzanfänge vor, die ihr weiterführen könnt: 

Es soll eine Geschichte werden, die …

Es soll eine Geschichte werden, in der …

In meiner Geschiche soll …

Hilfreich kann es auch sein, wenn ihr euch die Frage: Was wäre wenn …
stellt – in Bezug auf eure Ausgangsidee. Meist kommt das Gehirn dabei auf Hochtouren. 

Wenn ihr in etwa wisst, was ihr erzählen wollt, könnt ihr auch schon anfangen zu recherchieren, falls das nötig sein sollte. Denn bei der Recherche bekommt ihr vielleicht gleich weitere Ideen für die Geschichte.

Welches Genre?

Sobald ihr wisst, in welchem Genre die Geschichte angesiedelt ist, ergeben sich dadurch weitere Möglichkeiten, und anders herum – ihr könnt dadurch einige Möglichkeiten ausschließen.
Sobald ihr wisst, in welchem Genre ihr schreiben wollt, könnt ihr auch alles andere danach ausrichten.

Welche Figuren?

Überlegt euch, welche Figuren interessant sein könnten. Wer würde zu eurer Idee passen? Wer soll euer Held sein? Wie müsste er sein? Wer könnte ihm zur Seite stehen? Wer könnte ihm im Weg stehen? Und so weiter.

Wenn ihr so nicht voran kommt, überlegt euch, wer gar nicht passsen würde und sucht dann nach dem Gegenteil – vielleicht ist das genau der Held, den eure Geschichte braucht.

Wenn euch in etwa klar ist, welche Figuren mitwirken werden, könnt ihr für sie ruhig schon Biografien entwerfen. Zumindest grob. (Selbst wenn diese Figuren am Ende doch nicht in die Geschichte passen, dann aber vielleicht in eine andere.)
Aus den Biografien ergeben sich auch manchmal Ideen oder neue Ansätze für die Geschichte. Und je mehr ihr über eure Figuren wisst, desto besser könnt ihr sie in die Geschichte einfügen – oder anders herum.

Wo soll die Geschichte spielen?

Oft ist es so, dass sich schon aus der Idee heraus ein bestimmtes Setting ergibt. Wenn nicht, könnt ihr euch nach dem Genre, nach euerm Protagonisten oder Antagonisten etc. ausrichten. Was passt von der Stimmung her, was bietet die größtmöglichen Konflikte, etc.?

Wenn ihr noch gar nichts weiter wisst, könnt ihr aber auch aus dem Setting heraus eine Geschichte entwickeln und alles andere einfügen. Dann überlegt euch, welcher Ort für euch interessant wäre, was würde zur Ausgangsidee passen? Welchen Ort mögt ihr besonders, welchen nicht?
Tastet euch von allen Seiten heran.  

Und damit wären wir schon durch. 
Es ist nicht viel, aber diese Fragen werden euch bestimmt ein Stück weiter bringen. Wenn ihr so weit seid, dass ihr eine mögliche Geschichte habt, könnt ihr anfangen zu plotten – euch über den Aufbau Gedanken machen, über Wendepunkte, die Erzählperspektive, etc.
Oder ihr schreibt drauflos und lasst euch erst einmal treiben. Ganz wie ihr wollt.

Solltet ihr an irgendeiner Stelle merken, dass euch die Ausgangsidee alleine nicht ausreicht, um eine Geschichte zu finden, dann nehmt noch eine andere Idee dazu. Oder auch mehrere. Manchmal kommt man beim Kombinieren auch wieder auf eine völlig neue Idee. Spielt ruhig ein wenig herum.  

Ihr könnt bei den Fragen zum Setting oder den Figuren auch die ein oder andere Kreativitätstechnik zu Hilfe nehmen. Dafür sind sie da.
Wenn ihr Probleme dabei habt, gebe ich euch gerne weitere Tipps, wie ihr euch bei speziellen Problemen behelfen könnt. Hinterlasst dafür einfach einen Kommentar oder schickt mir eine Mail.  

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