Dienstag, 21. Mai 2013

Von Autor zu Autor: Schreibblockade -
Teil 3


In Teil 3 möchte ich euch noch ein paar allgemeine Tipps geben und euch auch einige Dinge zeigen, die mir bislang bei Schreibblockaden geholfen haben. Vielleicht ist ja für euch auch etwas dabei.

  • Notizbücher
Da ich meine Gedanken und Ideen am liebsten mit der Hand notiere, habe ich auch einige, teilweise recht unterschiedliche, Notizbücher. Sie dienen mir zwar in erster Linie dazu, nichts zu vergessen, aber auch wenn es mal klemmt, können sie ziemlich nützlich sein. Dann nehme ich mir diese Bücher vor und blättere darin herum. Irgendetwas davon bringt mich immer auf neue Ideen, hilft mir bei Problemen oder inspiriert mich zum Schreiben allgemein. 


Ideenbuch
Für meine Ideen habe ich zwei verschiedene Notizbücher:
Eines (A6), wo ich alle kurzen Ideen notiere, die mir so einfallen. Das können Grundideen für Geschichten sein, aber auch andere Ideen, die ich mit in Geschichten einbauen kann, wenn sie irgendwo passen. 
Das zweite (A5) benutze ich für ausgereiftere Ideen. Da ist meist schon ein grober Plot, Charaktere/Namen, einzelne Szenen und/oder Dialoge, etc. 

Traumbuch
Träume sind eine wahre Fundgrube für jeden Autor. Ich hatte vor ein paar Jahren mal damit begonnen, ein Traumtagebuch zu führen, es dann eine Zeitlang aus den Augen verloren, vor kurzem aber wieder damit begonnen. 
Inzwischen schreibe ich meine Träume aber nicht mehr wie früher detailliert auf, sondern arbeite mit Cluster und KaWa – und mache mir ggf. noch separat ein paar Stichpunkte. Manchmal schreibe ich auch gleich noch ein paar weiterführende Gedanken dazu auf.
Als Ausgangsbegriff für das Cluster wähle ich das Thema des Traums. In dem Cluster halte ich nicht nur die Handlung, sondern auch die Atmosphäre fest, meine Gefühle, Orte, Gerüche, Farben etc., damit der Traum später auch wieder greifbar wird.
Die KaWas lege ich dann zusätzlich zu solchen Dingen an, die mir besonders wichtig erscheinen.
Durch die KaWas und das Cluster kommen mir meist mehr Dinge wieder in Erinnerung, als beim normalen Notieren. Außerdem ist es ja oft so, dass man zwischendurch nur irgendwelche Fetzen hat, die man in einem Cluster viel besser unterbringen kann. Ein weiterer großer Vorteil von Cluster und KaWa ist, dass ich durch diese Darstellung von jedem Traum ein „Bild“ habe. Ich sehe später beim Durchblättern auf den ersten Blick, worum es ging.    
 
Chaosbuch
Dieses Notizbuch ist mein persönlicher Trödelmarkt. Ein wildes Durcheinander an möglichen Schätzen, die auf ihren Einsatz warten.
In mein Chaosbuch kommt alles rein, was ich für interessant halte. Zeitungsartikel, Schlagzeilen, Bilder – und zwischendurch alle meine Gedanken, die gerade aus mir raus wollen. Das können einzelne Wörter, Sätze, Satzfragemente, halbe Gedichte usw. sein. So wie es mir in den Sinn kommt, schreibe ich es auf. Nichts wird geordnet oder zensiert. 
Es ist ein buntes Buch, das zum einen viel Spaß macht, es zu führen und das mich gleichzeitig inspiriert und immer neue Ideen bereit hält.

  • Etwas anderes schreiben

Oftmals ist es ja so, dass man in eine Blockade fällt, weil man an seinem aktuellen Projekt nicht weiter kommt.
Meiner Meinung nach nutzt es nichts, sich da unter Druck zu setzen und sich zu zwingen, krampfhaft daran weiterzuschreiben. Dadurch reitet man sich nur noch tiefer in die Blockade, weil es einen immer mehr frustet.
Vielmehr finde ich es wichtig, wieder in den Schreibfluss zu kommen. Aber mit Spaß - nicht durch Zwang.
Mir hilft es immer, wenn ich dann etwas anderes schreibe. Etwas, worauf ich gerade mehr Lust habe. Ich habe sowieso nie nur ein Projekt, sondern arbeite immer an mehreren Sachen gleichzeitig.
Manchmal schreibe ich auch etwas, was ich nur für mich schreibe – schon das im Hinterkopf zu haben kann unheimlich befreiend sein und löst so manche Blockade.
 
Wenn ihr nicht wisst, was ihr schreiben sollt, sucht euch eine Schreibanregung. (Hier auf meinem Blog gibt es jeden Freitag eine Neue). Oder lasst euch durch etwas anderes inspirieren.
Wer denkt, sein eigentliches Projekt dadurch aus den Augen zu verlieren, den kann ich beruhigen, denn das wird die ganze Zeit in euerm Unterbewusstsein bleiben. Und deshalb zieht ihr auch beim Schreiben von anderen Texten automatisch eine Verbindung zu euerm eigentlichen Projekt – was oftmals wiederum zur Folge hat, dass ihr dadurch neue Ideen bekommt oder mögliche Probleme praktisch von selbst gelöst werden. 
Wenn nicht, kommt ihr zumindest aus dem nicht-schreiben-können-Trott heraus, denn gerade an kurze Texte zwischendurch könnt ihr ganz locker herangehen.
Gleichzeitig habt ihr bei kurzen Texten die Möglichkeit, mal etwas anderes/neues auszuprobieren, andere Richtungen zu erkunden und neue Erfahrungen zu sammeln, was sich letztendlich ja auch positiv auf euer eigentliches Projekt auswirkt.

  • Musik und Bilder als Inspiration

Musik ist für mich das reinste Wundermittel. Ich kann ohne Musik sowieso gar nicht schreiben. Sie hilft mir dabei, mich von der Außenwelt abzukapseln, mich frei zu machen und mich voll und ganz auf das Schreiben zu konzentrieren. Und sie hilft mir dabei, mich in die richtige Stimmung zu versetzen.
Aber sie kann auch zur Inspiratonsquelle werden. Hört einfach mal bewusst zu, schreibt eure Gedanken/Assoziationen auf – die wiederum bringen euch wieder auf neue Gedanken und irgendwann werdet ihr den Drang verspüren, schreiben zu müssen. Lasst euch dabei ruhig treiben.

Das gleiche funktioniert mit Bildern. Schaut ein paar Fotos oder Buchcover an,  oder geht in eine Galerie. Lasst euch inspirieren, von der Stimmung, von den Gefühlen, die sie in euch wecken, von den Gedanken oder Erinnerungen, die sie hervorrufen. 

  • Schreibt über die Blockade

Hört sich vielleicht gruselig an, kann aber helfen. 
Schreibt auf, dass ihr gerade eine Blockade habt und vielleicht auch gleich, woran es hängt. Wenn ihr es noch nicht wisst, bekommt ihr auf diesem Weg mit Sicherheit neue Einsichten.
Schreibt auf, was ihr am liebsten mit der Blockade machen würdet. Regt euch über sie auf, beschimpft sie. Schreibt auf, was ihr gerade machen würdet, wenn die Blockade nicht wäre. Schreibt auf, wie ihr sie am liebsten beenden würdet. Übertreibt dabei ruhig richtig. Wichtig ist es vor allem, dabei nichts zu zensieren. Es geht nicht darum, DIE Lösung zu finden, sondern darum, euch erst einmal gedanklich davon zu befreien. Das reicht oft schon.
  

  • Alltag verbannen

Wenn ihr viel Stress habt, und der Alltag euch nicht zur Ruhe kommen lässt, stimmt euch auf das Schreiben mit einem Ritual ein. Dadurch zieht ihr eine klare Linie zwischen Alltag und Schreiben. Räumt euch vielleicht auch eine feste Schreibzeit ein.
Wechselt ggf. auch mal den Ort. Vielleicht läuft es woanders besser. Setzt euch in ein Café, in die Bibliothek, in die Natur. Probiert mal alles aus. 

  • Einstimmung auf das Schreiben durch schreiben

Das automatsische Schreiben eignet sich ganz wunderbar dafür. Ein schöner Nebeneffekt dabei ist, dass es auch in diesen Texten immer irgendetwas gibt, was man anderweitig verwenden kann.
Wie das automatische Schreiben funktioniert, habe ich in Schreibblockade Teil 2 (bei dem Punkt Zensor) schon einmal erklärt und auch bei der letzten Schreibanregung.

Ihr könnt zur Einstimmung auch mal aus euern Lieblingsbüchern ein paar Seiten/Szenen abschreiben und euch dann euerm eigenen Projekt zuwenden.

Oder ihr schreibt auf, was ihr an dem Tag erreichen möchtet und worüber ihr schreiben wollt, bevor ihr anfangt.  

  • Loslassen

Versteift euch bei euern Geschichten nicht zu sehr auf etwas. Wenn ihr z. B. etwas geplant habt, das aber nicht wirklich funktioniert, dann versucht, auch andere Wege zu gehen. Experimentiert ein wenig herum. Seid offen für alles.

  • Gute Gründe und kleine Ziele

Gerade wenn es nicht gut läuft, neigt man oftmals dazu, sich Gründe zu suchen, nicht zu schreiben, die einen dann praktisch die Erlaubnis dafür geben, es tatsächlich nicht zu tun. 
Wenn ihr merkt, dass es bei euch so weit ist, sucht nach gegenteiligen Gründen. Nach guten Gründen, die dafürsprechen, zu schreiben. 

Setzt euch ein kleines, aber klares Ziel. Ihr habt dadurch etwas, was ihr ansteuern könnt und gleichzeitig ist es eine gute Motivation, wenn ihr erreicht, was ihr euch vorgenommen habt.

  • Frei drauflos

Schreibt einfach mal drauflos und schaut, wohin es euch führt. Einfach hinsetzen, anfangen und treiben lassen - ohne großartig nachzudenken. Auf diese Weise sind bei mir schon viele Kurzgeschichten entstanden. 
Meist ist es so, dass mir ab der Mitte oder gegen Ende immer klar(er) wird, wohin mich mein Unterbewusstsein führen will. Irgendwann lenke ich dann bewusst ein, schreibe die Rohfassung zu Ende und streiche/ändere alles, was nicht passt, bei der Überarbeitung.
Für mich ist diese Art des Schreibens Entspannung pur. Danach habe ich dann auch wieder neue Energie für meine anderen Projekte. :)


***

1 Kommentar:

  1. Ich hab mich jetzt mal durch deine Schreibblockaden-Hilfe gelesen und finde tatsächlich, das es so allgemeine Dinge gibt, die jeder doch als hilfreich empfindet. Visuelle und akkustische Einflüsse liegen dabei scheinbar weit oben :)

    Ich seh bei mir die Uhrsache vor allem immer darin, das mir beim Schreiben dann besagte Logikfehler auffallen. Ich würd dann gerne die ganze Sach plötzlich ausdrucken und korrigieren. Da hilft es aber nur, sich auszubremsen, Notizen zu machen und weiterzumachen, weil es sonst immer wieder passiert und man sich zu Tode korrigiert und umschreibt - und am Ende vielleicht gar nicht mehr fertig wird :)

    Liebe Grüße
    Tina
    http://laternamagica-blog.de/

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