Montag, 8. April 2013

Von Autor zu Autor: Schreibblockade -
Teil 2

Ich hatte in Teil 1 bereits angesprochen, dass man immer versuchen sollte, der Schreibblockade auf den Grund zu gehen. Denn dann kann man gezielt eine Lösung anstreben und muss es nicht aussitzen.
Hier in Teil 2 werde ich nun ein paar der möglichen Ursachen aufzeigen.

Alles beherrschen - und das sofort

Ein möglicher Faktor für eine Schreibblockade vor allem bei Anfängern könnte sein, möglichst alles - und auch am besten sofort – beherrschen und anwenden zu wollen. Aber so läuft das nicht.
Das Schreiben von Geschichten zu erlernen ist ein langwieriger Prozess. Das ist wie beim Autofahren. Das schafft man nicht durch Theorie und auch nicht in wenigen Stunden Praxis. Dafür ist es viel zu komplex.
Mein Tipp: Nehmt euch die Zeit, langsam voran zu kommen. Schritt für Schritt. Setzt euch kleine Ziele, die ihr auch erreichen könnt. Überfordert euch nicht selbst. Davon habt ihr nichts, denn damit erreicht ihr nur das Gegenteil.
Schreibt erst einmal kurze Texte, wo ihr euch auf eine oder wenige Dinge  konzentrieren könnt. Wo ihr viele verschiedene Sachen in Ruhe ausprobieren könnt. Vor allem stärkt es auch das Selbstbewusstsein ungemein, wenn man einen Text abschließt und nicht immer nur diese eine Baustelle (Roman) hat, deren Ende noch lange nicht in Sicht ist.
Hängt euch auch nicht ständig daran auf, was ihr alles noch nicht könnt. Schaut euch lieber an, was ihr schon gut drauf habt und nehmt das als Motivation.

Perfektion in der Rohfassung

Oftmals ist es auch so, dass einer Rohfassung (gerade bei größeren Projekten) viel zu viel abverlangt wird und das zu Frust und Stillstand führt. Da wird ständig geändert und geschliffen, und letztendlich kommt man nicht über die ersten paar Seiten hinaus.
Mein Tipp: Seht die Rohfassung nur als ein Werkzeug an. Ein Werkzeug, das euch dabei hilft, die Geschichte, die ihr erzählen wollt, zu finden und Stück für Stück aufzubauen.
Eine Rohfassung darf unperfekt sein. Das ist ihr gutes Recht. Mir dient sie lediglich dazu, mir einen ersten, tieferen Eindruck von der Geschichte zu geben und die Charaktere besser kennen zu lernen. Sie ist ein Entwurf aber noch nicht die Geschichte selbst. Denn die eigentliche Geschichte entsteht erst Schicht für Schicht bei jeder Überarbeitung. Zumindest bei mir.
Ich komme etwas später beim Thema Kritik noch einmal auf die Rohfassung zu sprechen. Aber jetzt erst einmal zum:

Zensor

Der Zensor ist der Typ, der an allem etwas auszusetzen hat. Während des Schreibens tritt er ständig auf die Bremse. Er nörgelt, zickt und mäkelt. Dadurch hemmt er den Schreibfluss und schürt permanent Zweifel. Das macht er gern. Das ist sein Job.
Leider vergessen manche Autoren, dass der Zensor beim Schreiben nichts zu suchen hat. Er ist bei der Überarbeitung dran. Nicht vorher.
Also lasst euch nicht reinreden, sondern schickt ihn derweil irgendwo anders hin. Zum Spargel stechen, ihn euern Kleiderschrank, auf's Klo … 
Versucht, euch beim Schreiben frei zu machen. Nicht nachzudenken. Dadurch werden eure Texte und auch eure Figuren viel lebendiger. „Schön machen“ könnt ihr die dabei entstandenen Sachen bei der Überarbeitung, wo der liebe Zensor wieder mitspielen darf.

Tipp: Wer Probleme damit hat, kann dieses freie Schreiben auch üben. Am besten täglich. Sucht euch dafür irgendein Thema und fangt sofort an zu schreiben. Schreibt exakt 10 Minuten ohne abzusetzen. Schreibt ALLES auf, was euch gerade durch den Kopf geht – auch wenn ihr euch dabei vom eigentlichen Thema entfernt. Wenn ihr ins Stocken kommt, schreibt ihr auf, dass es gerade nicht weiter geht. Scheut euch nicht davor, irgendwelchen Unsinn zu schreiben. Es liest ja außer euch niemand. Oftmals erkennt man  erst hinterher, was hinter vermeintlichem Unsinn steckt. Ähnlich wie bei Träumen.
Durch diese Art zu schreiben kommt ihr auch auf einfache Art an euer Unterbewusstsein heran. Und dort schlummern oft die schönsten Diamanten.

Kritik

Ich glaube inzwischen, dass Kritik der größte Feind von Autoren ist. Und somit der Hauptauslöser von Schreibblockaden.
Kritik kann durchaus hilfreich sein, das will ich hier gar nicht in Frage stellen. Aber mit Kritik umzugehen gehört ebenso zum Lernprozess des Schreibens, wie das Schreiben lernen selbst.
Es kommt auch immer ganz darauf an, wie sie verübt wird und in welchem Stadium der Geschichte.
Gerade in der Rohfassung, wo alles noch vage ist, kann Kritik schnell verunsichern und dazu führen, dass man sein Projekt hinschmeißt.
Mein Tipp: Gebt euer Werk nicht zu schnell anderen zu lesen. Schreibt zunächst nur für euch. Lernt eure Geschichte und eure Charas erst einmal selbst kennen. So könnt ihr in Ruhe ausprobieren und mögliche Defizite alleine entdecken und beheben. 
Allerdings ist da jeder Autor anders. Der eine braucht permanent Feedback und kann so besser arbeiten, der andere wiederum nicht. Findet heraus, was euch gut tut.
Lasst euch auch nicht zu schnell von Kritik beirren. Ihr müsst nicht alles ändern, was eure Betas ankreiden. Das heißt nicht, dass ihr Kritik, die euch nicht in den Kram passt, einfach in den Wind schießt. Nein. Betrachtet jede Kritik als das, was sie ist bzw. sein sollte: als Hilfe. Als eine Chance, eure Geschichte zu verbessern. Aber wägt sie sorgfältig ab. Ändert ruhig mal etwas probehalber ab, um zu sehen, ob es sich tatsächlich positiv auswirkt. Sollte es nicht mit euer Geschichte  harmonieren, wenn ihr erkennt, dass es nicht das ist, was ihr euch vorgestellt habt, ist es euer gutes Recht, die Kritik nicht anzunehmen. Da braucht ihr kein schlechtes Gewissen haben. Es ist eure Geschichte.
Versucht auch immer ein wenig Abstand zu gewinnen. Seht euch die Kritik und eure Geschichte nach ein paar Tagen oder Wochen noch einmal an. Manchmal sieht man dann die Dinge ganz anders.
Ist die Kritk berechtigt, ist das auch keine Schande. Seht eure „Fehler“ als eine Chance zu lernen und zu reifen. Seht sie positiv. 
Versucht aber möglichst immer, Fehler zunächst selbst zu finden. Denn dann habt ihr einen weit höheren AHA-Effekt und somit einen höheren Lern-Effekt.

Theorie vs. Praxis 

Ein Auslöser für eine Schreibblockade bei mir war dieser teilweise recht große Unterschied zwischen Theorie und Praxis.
Vieles, was ich in diversen Schreibratgebern vorgekaut bekommen habe, wird in der Praxis bewusst oder unbewusst anders gemacht. Und es funktioiert oft auch. Wunderbar sogar.
Ich habe lange gebraucht, um zu erkennen, dass genau diese Kluft, die zwischen Theorie und Praxis liegt, mein Problem war. In der Zeit davor war ich ziemlich frustriert und konnte nichts mehr schreiben. Mir war irgendwie die Lust daran vergangen. Das ging nicht plötzlich, sondern eher schleichend.
Und dieses Problem hatte ich nicht etwa, weil ich zu leichtgläubig bin oder mich gern an „Regeln“ halte. Nein. Ich hatte beim Schreiben immer irgendwie das Gefühl, dass es falsch ist, was ich mache, wenn ich es rein intuitiv und vor allem auf die Geschichte zugeschnitten gemacht habe - und somit eben anders als es in vielen Ratgebern gesagt wird. Das war immer im Hinterkopf. Und dadurch habe ich alles angezweifelt, was ich geschrieben habe. Ich wollte es gern richtig machen, aber ich war bzw. bin nicht bereit, mich dafür zu verbiegen. 
Vor allem fing ich auch an, darüber nachzudenken, ob meine Betas nun danach kritisieren, was tatsächlich nicht funktioniert, oder ob sie es nur vom theoretischen Standpunkt aus betrachten. Und es ist ziemlich schwer bis unmöglich, das herauszufiltern.

Wie habe ich diese Krise nun überwunden?
Ich habe mir gesagt, dass der Großteil meiner Leser keine Ahnung vom Handwerk hat und eine Geschichte danach beurteilt, was tatsächlich gefällt und was nicht. Also schreibe ich auch wieder mit ruhigem Gewissen das, was mir gefällt und so, wie es mir gefällt. Ich kann es nicht allen recht machen und das will ich auch gar nicht.
Ich orientiere mich nur noch an Schreibtipps, die nicht nur vorgeben, praxisnah zu sein (wenn überhaupt) sondern tatsächlich praxisnah sind. (Zum Beispiel der Blog von Stephan Waldscheidt – kann ich jedem nur empfehlen.)
Ich analysiere fremde Geschichten wieder vermehrt selbst. Ich filtere heraus, was mir gefällt und was nicht. Was für mich funktioniert und was nicht. Forsche nach dem Warum. Das Positive wende ich auch auf meine Geschichten an, das Negative vermeide ich. Motto: Meine Geschichte - mein Geschmack.
Und immer, wenn dieses Gefühl auftaucht, dass es SO normalerweise nicht gemacht wird, schicke ich es gedanklich in die Wüste. Inzwischen traut es sich aber kaum noch aus seinem Versteck. 
Aber wenn es doch mal ganz hart kommt, schreibe ich (nur für mich) bewusst „falsch“. Mit gaaaaanz vielen Adjektiven und Figuren, die völlig über ihr Ziel hinausschießen, ohne jedes Motiv handeln, ohne Ende faseln, etc. Probiert es mal aus, es ist sehr befreiend. ;)

 
So, ich hoffe, dass euch das alles ein wenig weiter hilft. Lasst es mich wissen.

 


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