Montag, 18. März 2013

Autorenträume


Ich hatte vor Kurzem an der Ausschreibung „Autorenträume“ teilgenommen. Gesucht wurden Texte, die eine Art Selbstreflektion vom Tun der jeweiligen Autoren sein sollten.
Leider hat es mein Beitrag nicht in die Anthologie geschafft. Dennoch möchte ich ihn wenigstens hier veröffentlichen, weil er einen kleinen - und etwas anderen - Einblick in meine Welt des Schreibens gibt.  


Zeitlos

Nebel bedeckt der Toten Erde. Leckt an den Grabsteinen, die sich dem Himmel entgegenstrecken, um in letzter Verzweiflung nach den Sternen zu greifen. Sie schreien im stummen Schmerz. Dem Schmerz der Hinterbliebenen. Und Tautropfentränen hängen in stillem Gebet im knöchelhohen Gras.
Ich trinke einen Schluck Cappuccino, der neben meinem Laptop steht. Der Cursor im geöffneten Dokument blinkt ungeduldig. Ich streiche mir die Haare aus der Stirn, reise zurück auf den Friedhof und lese die Inschrift noch einmal.
Er fand die Liebe zum Leben im Tod.
Nur dieser Satz unter einem Namen und Zahlen. Fremd. Und doch so sehr mit mir verbunden. Wie das Leben, der Tod, Zweifel, Zuversicht, Mut und Angst. Freiheit und Grenzen.
Meine Gedanken hängen an diesem einen Satz. Hängen an dem Menschen, der dahinter steckt. Ich versuche das Wesen zu erkennen.
Versuche diese Leere in mir auszufüllen. Dieses Loch, das mich nicht atmen lässt.
Wie kann ich mehr über dich erzählen, als nur die Inschrift auf deinem Grabstein? Warum hast du mit vierzehn Jahren dem Tod die Hand gereicht?
Ich schließe die Augen, sehe dich vor mir, mit deinen zerrissenen Jeans und langsam bekommt deine blasse Haut Farbe. Die Farbe, die du brauchst, um in dieser Geschichte zu existieren. Du lächelst mich an, streichst mit den Fingerspitzen über den kalten Granit deiner Ruhestätte, richtest deinen Blick nach oben. Und dann sehe ich es. Sehe das Licht, das mich durch die Dunkelheit führt. Spüre das Glück mit jedem Wort, das ich schreibe. Fühle deine Geschichte unter meinen Fingern erwachen.
Meine Emotionen paaren sich mit der Musik, die ich höre. Paaren sich mit der Erkenntnis ...

Meine Träume sind nicht die Realität. Sie sind kein fester Bestandteil der Zukunft. Doch ich weiß, meine Träume leben auch durch meine Tränen, so lange ich das Lachen nicht verliere.
Die Geheimnisse der Welt sind der Sturm in mir. Sind die Geschichten in mir. Sind der Traum in mir. Mein Traum - Schreiben aus Leidenschaft. Zeitlos.

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